Eine wahre Geschichte von Antonie Hutter und Gunhild Aiyub, Kindernothilfe
Ich heiße Odana, bin 13 Jahre alt und komme aus dem Dorf Papaye. Meine Eltern sind schon früh gestorben; Verwandte, die selbst sehr arm waren, haben sich um mich gekümmert.
Als ich sechs Jahre alt war, kam ein fremder Mann in unser Dorf. Er hat versprochen, mich zu einer wohlhabenderen Familie in der Hauptstadt zu bringen; die würde gut für mich sorgen. Ich müsste ihr dafür "nur ein bisschen" im Haushalt helfen. Das ist in Haiti nichts Ungewöhnliches - Kinder, die als Hausangestellte bei anderen Familien leben, nennt man bei uns „Restavèk" (rester avec - auf Deutsch: bleiben bei).
Ich landete bei Herrn und Frau Rosline, die ich mit „Onkel" und „Tante" ansprechen muss, und ihrer Tochter Fenelon (14). Bei dem Erdbeben am 12. Januar wurde das Haus von Familie Rosline zerstört - seitdem wohnen wir in einem Zeltlager auf der Place Jérémie, einem ehemaligen Basketballplatz im Stadtteil Carrefour Feuille.