Ein Artikel aus der Rheinischen Post vom 5.4.2011 berichtet über die ersten Ergebnisse der Volkszählung in Indien: Sie zeigt, dass es dort immer weniger Mädchen als Jungen gibt. Normalerweise ist das Verhältnis umgekehrt.
Bei Kindern bis zu sechs Jahren ist die Zahl der Jungen gestiegen, die Zahl der Mädchen ist gesunken: Auf 1.000 Jungen kommen nur noch 914 Mädchen (2001: 927 Mädchen). Das ist die niedrigste Zahl seit 63 Jahren.
Männer kaufen sich Frauen
Experten warnen, dass dadurch große Probleme entstehen können. Es würden Generationen frustrierter Junggesellen heranwachsen, die oft viel aggressiver seien als verheiratete Männer. Schon jetzt finden viele jungen Männer keine Ehefrauen - manche kaufen sich eine Frau aus einer armen Region des Landes, die sie dann wie Sklavinnen behandeln.
Töchter kosten Geld
Es ist nicht so, dass indische Eltern Töchter weniger liebhaben als Söhne. Aber Töchter sind für arme Familien eine große Last, die sie in noch größere Armut stürzen können. Bei der Hochzeit müssen die Eltern dem Bräutigam nämlich große und wertvolle Geschenke machen - eine Aussteuer, die man in Indien "Mitgift" nennt. Diese Geschenke sollen der Ausgleich dafür sein, dass ihre Tochter als Frau angeblich weniger wert ist als der Mann. Das ist mittlerweile in Indien verboten, viele Familien fordern aber trotzdem immer noch von den Brauteltern diese Mitgift. Und wenn eine Familie arm ist, muss sie sich Geld leihen und Schulden machen. Dann müssen auch alle Kinder der Familie arbeiten, damit die Schulden zurückgezahlt werden können.
Nach der Hochzeit gehört die Tochter dann der Familie ihres Mannes, das heißt, sie wird sich um ihre Schwiegereltern kümmern und nicht um ihre eigenen Eltern. Deshalb besagt ein indisches Sprichwort: "Eine Tochter zu füttern ist wie den Garten des Nachbarn zu wässern!"
Viele Töchter werden umgebracht
Sie werden entweder schon im Mutterleib abgetrieben oder später getötet. Es ist in Indien mittlerweile verboten, dass Ärzte den werdenden Eltern sagen, ob ihr Baby ein Junge oder ein Mädchen ist - damit soll verhindert werden, dass die Eltern das Kind abtreiben lassen, wenn es ein Mädchen ist. Aber viele Ärzte verraten den Eltern doch das Geschlecht, wenn man ihnen genug Geld für die Information bietet.
Die komplette Meldung aus der Rheinischen Post, 5. April 2011