1952 wurde ein neues Passgesetz eingeführt: Schwarze mussten von nun an ein Heft mit allen persönlichen Angaben ständig bei sich tragen.
Sie selbst nannten dieses Dokument „dompass", was in der Sprache Afrikaans „dummer Pass" heißt, oder auch „Stinker".
Der Pass enthielt den Namen des Eigentümers, sein Geburtsdatum und seine Volkszugehörigkeit, sein Foto, Name und Adresse des Arbeitsgebers, die Krankheiten, gegen die er geimpft wurde, den Namen von Ehefrau/Ehemann. Der Eigentümer musste in seinem Pass nachweisen lassen, dass er seine Steuern bezahlt hatte und ob er jemals festgenommen und verhaftet worden war. Sein Arbeitsgeber musste den Pass jeden Monat abzeichnen.
Wenn ein Schwarzer vom Land in die Stadt fuhr oder auch nur die Straße überquerte, um Zigaretten zu kaufen, durfte die südafrikanische Polizei seinen Pass kontrollieren. Stand er vor der Tür seiner Hütte und hatte seinen Pass nicht bei sich, konnte es sein, dass die Polizei ihm nicht erlaubte, die zwei Meter zurück in sein Haus zu gehen und den Pass zu holen, sondern dass sie ihn ins Gefängnis steckte, ohne seine Familie zu benachrichtigen.
1960 führte der Schwarze Robert Sobukwe in Sharpeville einen friedlichen Protestmarsch gegen den "Stinker" an. Unter den Demonstranten waren auch Frauen und Kinder.
Plötzlich eröffnete die Polizei ohne Warnung das Feuer. Innerhalb von wenigen Minuten fielen mehr als 700 Schüsse. Zurück blieben 69 Tote und etwa 300 Verwundete. Diese Tragödie war der Anlass, dass die Anti-Apartheids-Partei ANC, die bisher gegen Gewalt gewesen war, zum bewaffneten Kampf überging.
1986 wurden die berüchtigten Passgesetze aufgehoben.