Projekt 94904/AA/12
„Noch vor ein paar Jahren hörten wir hier fast jede Nacht Schüsse. Unsere einzige Hoffnung war, dass es niemanden erwischt hat, den wir kennen", erzählen Amanda und ihre Freundinnen Caroline und Joana (Namen geändert).
Die Mädchen wohnen in der großen Favela Grande Bom Jardim. „Favela" heißen die Armenviertel in Brasilien. „Noch heute fühlt sich hier niemand sicher, jeder hat Angst vor jedem, und nachts traut sich kein Mensch aus dem Haus", sagen Amanda und ihre Freundinnen.
Jedes Jahr sterben in den Favelas brasilianischer Großstädte mehr als 50.000 Menschen eines gewaltsamen Todes. Viele davon sind Jugendliche. Mädchen und Jungen schließen sich einer bewaffneten Straßenbande an - das ist ihre einzige Chance, um zu überleben. Diese Gegenden sind unvorstellbar arm: Oft gibt es kein fließendes Wasser, keine Kanalisation, keinen Strom. Der Müll stapelt sich auf den Straßen, weil er nicht abgeholt wird. Es gibt keine Polizeistationen, keine Ärzte.
Die wenigen Schulen haben nicht genug Lehrer, weil viele Lehrer Angst haben, in einer Favela zu unterrichten. Und: Noch immer hungern in diesen Vierteln Kinder! Was ihre Eltern durch kleine Jobs verdienen, reicht vorne und hinten nicht für die Familie.
Freunde schießen nicht aufeinander!
Der Kindernothilfe-Partner Diaconia arbeitet seit Jahrzehnten in einigen Favelas. Mit Erfolg: Es gibt dort viel weniger Gewalt- und Drogenprobleme, die Menschen sind gesünder, haben mehr zu essen, und die Schulen machen besseren Unterricht.
Diaconia gibt den Menschen ihre Würde zurück, sie empfinden sich nicht mehr als aussichtslose Einzelkämpfer, sondern als Teil einer Gemeinschaft, die aufeinander achtet.
In einer solchen Umgebung haben Banden weniger Chancen. Wichtig ist auch, dass die Favela-Bewohner etwas gemeinsam machen: z.B. Sport-, Musik- und Tanzveranstaltungen. Das stärkt den Zusammenhalt der Bewohner. So verbessert sich nach und nach das Klima in den Armenvierteln von Grande Bom Jardim. „Freunde schießen nicht aufeinander", sagt Amanda.