Die Stadt Potosí liegt rund 4.100 m hoch in den Anden und ist die höchst gelegene Großstadt der Welt. Sie wurde am Fuß des Cerro Rico („Reicher Hügel") gebaut.
Nachdem die Spanier Südamerika erobert hatten, fanden sie heraus, dass es in diesem Berg die reichsten Silberminen der Welt gab. Sie verschleppten tausende von Menschen aus dem ganzen Land nach Potosí und zwangen sie, in den Minen zu arbeiten.
Im Jahr 1611 hatte Potosí rund 150.000 Einwohner und war die zweitgrößte Stadt der Welt. Von den Reichtümern der Minen bekamen die Arbeiter allerdings nichts ab: Die Spanier verschifften das Silber nach Europa oder verarbeiteten es zu Münzen und wurden immer reicher.
Die Mineros (Bergleute) dagegen schufteten in den gefährlichen Schächten. Bis heute kamen acht Millionen Menschen in den Minen ums Leben.
Um die Männer noch mehr anzutreiben, erzählten die Spanier ihnen, dass der Teufel im Berg regiert. Damit er nicht böse auf sie wird, müssten sie ganz hart arbeiten Und weil die Mineros große Angst vor dem Teufel haben, schenken sie ihm noch heute jeden Tag Coca-Blätter und Zigaretten, damit er sie vor Unfällen bewahrt.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Silber knapper, und die Spanier verließen Potosí.
Heute ist der Ort eine arme Bergbaustadt. Jeden Tag suchen tausende von Männern und Kindern im Berg nach Resten von Silber, Zinn und Blei, denn eine andere Arbeit gibt es in Potosí kaum. Rund 700 Kinder und Jugendliche müssen in Potosí unter unerträglichen Bedingungen in den Bergwerken arbeiten: Sie schleppen Lasten in den Minen, beladen Loren oder meißeln die Sprenglöcher.
Wer in den Minen arbeitet, lebt nicht lange. Der Kieselstaub dringt in die Lungen und zerstört sie: Diese tödliche Krankheit heißt Silicose. Die Menschen in Potosí werden im Durchschnitt nur 33 Jahre alt - nirgendwo in Lateinamerika sterben die Menschen so früh wie hier