
Als bei Gertraud Kennel in Ravensburg vor fünf Jahren das Telefon klingelte, fiel ihr fast der Hörer aus der Hand. „Ich komme am 3. Oktober nach Stuttgart", kündigte am anderen Ende Maureen Johanna Tapi, ihre ehemalige Patentochter aus Chile, an.
Gertraud und Winfried Kennel hatten 1983 die Patenschaft für Maureen Johanna Tapi übernommen. Das Mädchen war damals zehn Jahre alt. Maureens Eltern verdienten nur wenig. Ihre Mutter hatte sie im Projekt „Hogar del Nino Sirio Palestino" untergebracht in der Hoffnung, dass sie dort regelmäßig zu essen und eine gute Schulbildung bekommen würde. Kennels und Maureen haben sich all die Jahre viele Briefe geschrieben - auch, als die Patenschaftszeit zu Ende war. „Sie war eine fleißige Briefschreiberin. Und eine gute Schülerin - in den Projekt-Jahresberichten kam sie mehrmals vor als Klassenbeste", erzählt Frau Kennel stolz.